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Freitag, 10. Februar 2006
culture-tour: Schwerer Verkehrsunfall durchkreuzt zunächst einmal Pläne unseres Weltreise-Kinderfilmprojektes – Was nun?
 
UNGLÜCK: Am 17.12.2005, später Nachmittag, sitzen Evren und ich im alten Wagen von Bernhard, einem österreichischen Globetrotter den ich vor 15 Monaten im Iran kennen gelernt hatte, und sind auf dem Weg von der Schwarzmeerküste nach Istanbul. Ein entgegenkommender Kraftfahrer verliert die Kontrolle über sein Fahrzeug, gelangt auf die Gegenspur und rammt uns frontal. So ist es im Polizeibericht nachzulesen, den an den Unfall selber kann ich mich bis heute nicht mehr erinnern. Was in den 1 ½ Stunden zwischen Einsteigen in Bernhards Auto und Aufwachen im Krankenwagen kurz vor Erreichen des Krankenhauses passiert ist, hat mein Gehirn ausgeblendet – wohl zum Glück. Evren hat sogar an die ersten drei Tage nach dem Unfall keine Erinnerung mehr.

GLÜCK IM UNGLÜCK: Was dann unmittelbar nach den Zusammenstoß passierte ist eine Aneinanderreihung von glücklichen Zufällen – Akkordarbeit für Schutzengel: So wurde eine Militärpolizei Zeuge des Unfalls, war sofort zu Stelle und konnte unmittelbar den Krankenwagen verständigen. Auch fuhr just zu diesem Zeitpunkt ein Arzt an der Unglücksstelle vorbei, so dass wir sofort professionell versorgt werden konnten und das Krankenhaus bereits bei unserer Einlieferung vorbereitet war. Wenig später war ein Freund von uns mit dem Motorrad auf dem Weg nach Istanbul, hielt am Unfallort um zu sehen ob er helfen kann und sah, dass wir es waren. So konnte er sofort Freunde und Familie anrufen. Als wir dann – zum Glück - in die Universitätsklinik in Istanbul eingeliefert wurden, waren einige von ihnen bereits dort und konnten uns weiter unterstützen. Wir danken all unseren Helfern und Schutzengeln.

Die Erinnerung an den Rest des Abends und der Nacht ist verschwommen: Flure, Menschenmengen, dazwischen die Sicherheit bekannter Gesichter, Geschiebe in verschiedene Zimmer, Zig- Röntgen- oder Computer Tomographie Aufnahmen und Untersuchungen, die Jacke zerschnitten, ein Polizist der etwas fragt, ein Anruf nach Hause, der kurze Aufschrei von Bernhard auf der Liege nebenan als man ihm die gebrochene Nase wieder einrenkt. Evren ist irgendwo auf einer anderen Station, Bernhard und ich werden später noch in ein anderes Krankenhaus verlegt.

Bernhard und ich sind mit Knochenbrüchen davon gekommen. Fuß, Unterarm und ein gutes Dutzend Brüche im Gesicht bei Bernhard, der nach einigen Tagen mit einem Ambulanzflieger nach Österreich geflogen wird. Bei mir ist lediglich der Oberschenkel gebrochen. Allerdings ist er durchgebrochen und gesplittert, so dass eine Nagelung im Bein notwendig wird und die Genesung und der Zeitpunkt bis zur vollen Belastbarkeit ein wenig länger dauern wird. Nach 2 ½ Wochen Krankenhausaufenthalt in Istanbul bin ich seit etwa einem Monat bei meinen Eltern in Gronau bis ich das gebrochene Bein wieder zu 100% belasten darf und somit sicher auftreten kann.

Da Evren nicht nur Rippen und Becken gebrochen, sondern auch schwere innere Verletzungen erlitten hatte, war ihr Zustand längere Zeit sehr kritisch. Wie sie jedoch die Lage meistert und dass auch eine Heilung einsetzt, deren Geschwindigkeit selbst die Ärzte überrascht, hat sie wohl nicht nur dem Ärzte- und Krankenhausteam der Uniklinik, sowie der Unterstützung durch ihre Familie und Freunde zu verdanken, sondern auch ihrer robusten positive Grundhaltung und ihrer optimistischen Lebenseinstellung. Eine kleine zierliche Frau mit einer beeindruckend starken und ausgeglichenen Psyche. Ihr seht ich bin sehr glücklich und stolz.

Wir sind also alle drei auf dem Weg der Besserung. Gelegenheit mal wieder einen newsletter herauszuschicken und so auch diejenigen von euch zu erreichen, die wir bisher noch nicht kontaktiert haben, da wir erst jetzt dazu kommen die Korrespondenz wieder aufzunehmen. Eventuell sich vernachlässigt Fühlende bitte nicht böse sein.

JETZIGE SITUATION: Was jetzt natürlich aus der Idee der culture-tour – einmal ohne Geld um die Welt – und aus seiner Fortführungsgeschichte der FROGlar – das interkulturelle Weltreise Kinderfilmprojekt über die Lebenswirklichkeit von Kindern in 13 Ländern – wird, ist momentan fraglich.

Fast das gesamte letzte Jahr hatten wir aus eigener Kraft, meist aus dem Koffer heraus und mit den sehr begrenzten eigenen finanziellen Mitteln an der Vorbereitung unseres Filmprojekts gearbeitet. Jetzt werden wir aus gesundheitlichen und organisatorischen Gründen wohl unser Vorhaben - zumindest in dieser Form in diesem Jahr - nicht werden beginnen können. Gleichzeitig drückt auch der finanzielle Schuh und das Bedürfnis sich irgendwo eine heimelige Basis zu schaffen um erst einmal Wunden zu lecken und etwas Ruhe einkehren zu lassen. So oder so stehen demnächst eine Menge von Entscheidungen und neue Planungen an.

NAHZIEL: Sobald ich voll auftreten kann geht es zunächst in die Türkei um Evren zu treffen und mit ihr in Ruhe zu überlegen was wir nun tun wollen. Nach der Frage „Was?“ kommt natürlich die Frage „Wie?“ wir dies dann auch erreichen, bzw. umsetzen können. Willkommen sind dann auch Tipps, Ratschläge oder Hinweise von euch.

Bis dahin bin ich noch im elterlichen Pflegezentrum in Gronau anzutreffen. Besucher hier empfangen zu können wäre natürlich die Krönung, aber dazu liegt die Grenzstadt in Ostwestfalen dann doch wohl zu weit vom Schuss. Wer jedoch möchte, kann mich über 02562 965108 oder 01637596806 jederzeit telefonisch bzw. unter thomas@doennebrink.de schriftlich erreichen. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich momentan auch genug Zeit habe, mich über jede Nachricht von euch adäquat zu freuen. ;)