Gegen 8:00 legen wir mit der L'Antoine, einem gemuetlich eingerichteten 49 Fuss langen Segelboot der Ta Chiao Klasse, ab. Der Kurs ist ca. 200 Grad, die See wenig bewegt, die Sicht gut. Es weht ein leichter Wind um Staerke vier. Da wir auf der Lee-, d.h. der windabgewandten Seite der Insel und somit im Windschatten der grossen Berge von St. Lucia fahren, sind wir zunaechst gezwungen unter Motor zu fahren. Wir lassen Castreis, die Hauptstadt links liegen und machen einen kleinen Abstecher in die Marigo Bay, wie geschaffen fuer Postkartenmotive. Dann segeln wir an Soufriere vorbei. Hier liegt die reiche und die arme Welt eng beieinander. Die beiden Kegelberge "Petit Piton" (2460 Fuss) und "Gros Piton" (2619 Fuss) rahmen das Jalousie Hilton Resort ein. Hier werden kapitalkraeftige Gaeste mit Helikoptern eingeflogen. Noerdlich des "Petit Piton" leben die Menschen in aermlichen Verhaeltnissen. Bevor wir den Suedzipfel der Insel erreichen kommen wir wenige Meter an vier Gobicephalen, einer grossen Delphinart vorbei. Sie cruisen gemaechlich dahin und aehneln in ihren langsamen Bewegungen eher Walen. Dann lassen wir St. Lucia hinter uns und muessen nun ca. 25 Seemeilen ueberwinden um zum naechsten Inselstaat St. Vincent zugelangen. In der Strasse nehmen Wind und Wellen zu und wir segeln 50 Grad gegen den Wind. Der Wind schiebt uns nicht wie die meiste Zeit ueber den Atlantik von hinten an, sondern durch die richtige Stellung der Segel wird eine Sogwirkung wie bei Flugzeugfluegeln erzeugt. Unser Skipper ist Perfektionist, Schweizer halt. Er achtet immer auf die ideale Segelstellung. So machen wir gute 6,5 Knoten, obwohl der Wind lediglich bei 12 bis 13 Knoten liegt. Und dann sehen wir ploetzlich zwei Wale steuerbord. Wir halten auf sie zu und kommen bis auf ca. 10 Meter an sie heran. Es handelt sich um ein Weibchen mit ihrem Jungen und wir sehen daher zu, dass wir nicht zwischen die Mutter und das Junge geraten. Leider kann ich nicht sagen um welche Walart es sich handelt, aber ich wuerde das Weibchen auf etwa die Laenge unseres Bootes schaetzen. Majestaetisch steigt die Rueckflosse dieser Saeugetiere aus dem Wasser und taucht mit einer gleichfoermigen runden Bewegung wieder ab. Wir haben an diesem Tag sehr viel Glueck. Es ist bereits zwei Jahre her, dass unsere Skipper einen Wal gesichtet hat und wir sehen am ersten gleich Gobicephale und zwei Wale. Dann erreichten wir St. Vincent. Schon von weitem ist der Soufriere Vulkan in Norden der Insel zu sehen. Dann gelangen wir wieder in den Windschatten der Insel und muessen den Motor zur Hilfe nehmen. So tuckern wir entlang der Kueste. Saftiges Gruen von tropischen Regenwaeldern wohin das Auge schaut. Eine Menge Marihuanafelder sollen dabei ihren Beitrag zur gruenen Pracht leisten. Langsam geht die Sonne unter. Delfine besuchen wieder unser Boot. Und bei Cuba libre und Kraekern denken wir was fuer ein perfekter Tag dies war. Auch die Nacht ist phantastisch klar. Eine Sternschnuppe ist sekundenlang zu sehen und zieht einen langen Schweif hinter sich her. Schliesslich erreichen wir Admirals Bay in Bequia. Die Bucht liegt ziemlich voller Boote, meist Skandinavier, die hier Weihnachten verbringen.
|