>>08.09.2010 20:43:56 :3364. Tag seit Projektbeginn :: 58843 km seit 23.7.2002
177.-182. Tag | 17.12.2001-22.12.2001
St. Lucia (6 Tage)
Nach der Atlantiküberquerung heißt es feiern und ausruhen, aber auch neue Schlafmöglichkeiten und Mitsegelgelegenheit suchen - mit wenig Geld nicht ganz einfach.

Tagebuch
177-Land in Sicht - St. Lucia  
178-Was nun?  
179-Weiterfahrt organisieren  
180-Erledigungen und Besuche  
181-Bootwechsel  
182-Auf der L'Antoine  

Galerie:
Die letzte Meile
Endlich Land
Land am Morgen
Die Ankunft

177 .Tag | 17.12.2001 | Etappe: St. Lucia-St. Lucia
Land in Sicht - St. Lucia

Nach 22 Tagen nur See wieder festen Boden unter den Füßen, Süßwasser über den Körper und die Wäsche laufen lassen und andere Menschen treffen. - Die Freuden des Lebens können so einfach sein.
 

Land in Sicht! Am Horizont zeichnet sich ein gebirgiger Streifen ab und rueckt langsam naeher. Ueberall sieht man das satte Gruen tropischen Regenwaldes der die gesamte Insel zu bedecken scheint. Wie zur Begruessung kommen wieder fuer eine kurze Zeit Delphine ans Boot. Ich habe den Eindruck, dass sie v.a. von dem laufenden Motor angelockt werden, der gelegentlich gestartet werden muss um die Batterien aufzuladen. Um 10:30 laufen wir schliesslich in der Marina von St. Lucia ein. Die meisten anderen Schiffe sind bereits angekommen. Nach dem Andocken erst einmal duschen und Waesche mit Susswasser durchwaschen. Dann muessen wir gleich Deck schruppen. Wir beeilen uns um endlich unter Leute zu kommen. Spaeter lerne ich Andreas und Anette von der Summertime kennen und Gyla nimmt mich mit auf das andere ungarische Boot. Die haben an diesem Tag gerade einen Barracuda gefangen und laden uns zum Abendessen ein. Im Anschluss goennen wir uns noch einige Bierchen in der Tropicana Bar. Aber als eine Horde Englaender sich bereits gegenseitig in den Pool geschmissen haben und nun nach neuen Opfern suchen ziehen wir uns zurueck und endlich wieder eine Nacht in der man nicht durchgeschuettelt wird.

St. Lucia
Dieser Inselstaat ist lediglich 616 Quadratkilometer gross und hat knapp 160.000 Einwohner. Er gehoert zu der Inselkette der kleinen Antillen die sich von Puerto Rico bis nach Trinidad vor der Kueste Suedamerikas erstrecken und die suedliche Karibik vom Atlantik trennen. Oftmals werden die kleinen Antillen unterteilt in die Leeward Islands im Norden und die Windward Islands im Sueden. Die vier Hauptinseln der Windward Islands sind neben dem englischsprachigen St. Lucia, das franzoesische Ueberseedepartment Martinique, sowie die englischsprachigen unabhaengigen Inselstaaten St. Vincent und Grenada. Diese Inseln verfuegen ueber recht hohe Gebirge an denen sich die Wolken abregnen koennen und so eine reiche gruene Vegetation ermoeglichen. Die Karibik wurde vor ueber 2000 Jahren von den friedliebenden Arawaks, Staemme asiatischer Abstammung, besiedelt. Bis zur Ankunft der Europaer wurden die Arawaks immer mehr von den kriegerischeren Caribs, die der Region auch ihren Namen gegeben haben, verdraengt. Die praekolumbianische Bevoelkerung wurden ihrerseits schnell von den Europaern verdraengt und es gibt heutuztage nur noch wenige Nachfahren dieser Staemme in der Karibik. In den Windward Islands lediglich in dem Dorf Fancy im Norden von St. Vincent. Kolumbus Begegnung mit den friedliebenden Arawaks und den kriegerischeren Caribs und die sich spaeter entwickelnde literarische Diskussion von den guten und boesen Wilden haben das abendlaendische Denken im ausgehenden Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit sehr beeinflusst. So die philosophische Frage ob der Mensch von Natur aus gut oder schlecht ist. Das Interesse der Spanier an den kleinen Antillen war zu Beginn nicht gross und so waren es vor allem die Englaender und die Franzosen, die sich um diese Inseln kloppten und auch die Niederlaender durften hier mitspielen. Viele der Inseln wechselten in der Geschichte mehrmals den Besitzer und so wurden die sie durch diese Kulturen und deren Sprachen gepraegt. Die Weissen bauten Zuckerrohr und andere Exportgueter an und auf ihren Plantagen arbeiteten schwarze Sklaven aus Afrika. Nach der Abschaffung der Sklaverei waren diese wenig motiviert fuer ihre alten Herren zu arbeiten. Es wurden daher andere Ethnien, v.a. Inder, als servants auf diese Inseln geholt, so dass sich der heutige Bevoelkerungsmix meist aus diesen Gruppen zusammensetzt. Obwohl heute noch Fischerei- und Landwirtschaft wichtige Standbeine der Oekonomie sind und Themen wie der US.-amerikanisch-europaeische Bananenkrieg hier aufmerksam verfolgt werden, ist doch der Tourismus und v.a. der Yachttourismus in den letzten Jahrzehnten zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor geworden. So ist sicherlich auch der Tourismus dafuer verantwortlich, dass die Preise hier in den letzten Jahren in astronomische Hoehen gestiegen sind. Mit der Ausnahme von Bananen und Grapefruit habe ich auf St. Lucia nichts gesehen was billiger als in Deutschland waere. Oftmals wird das doppelte oder mehr verlangt. So kostet im guenstigsten Supermarkt eine 2-Liter Softdrinks Flasche schnell 10, 100 gr. Pistazien 14 oder 1 kg Weintrauben 18 East Caribbean Dollars, wobei ein EC Dollar ein bisschen weniger als eine DM, bzw. einen halben Euro wert ist. An ein Zimmer unter 20 US-Dollar ist gar nicht zu denken. Horrornachrichten fuer mein Reisebudget. Jetzt heisst es schnell ein neues Boot finden, damit zumindest keine Kosten fuer Uebernachtungen anfallen.