>>08.09.2010 20:41:29 :3364. Tag seit Projektbeginn :: 58843 km seit 23.7.2002
1265.-1272. Tag | 09.12.2004-16.12.2004
Laos
Eine Woche ist definitiv zu wenig fuer das interessante Land, aber die Mekong Flussfahrt, die ruckeligen Busfahren und Luang Prabang und Vientiane gaben einen ersten guten Eindruck

Tagebuch
1265-Grenzuebergang: China - Laos  
1266-Fahrt nach Huay Xai  
1267-Fahrt den Mekong stromabwaerts - 1. Tag  
1268-Fahrt den Mekong stromabwaerts - 2. Tag  
1269-Luang Prabang 1. Tag  
1270-Fahrt nach Vientiane  
1271-Vieantiane 1. Tag  

Transport:
Bus: 260km

1265 .Tag | 09.12.2004 | Etappe: Jinghong -Luang Nam Tha
Grenzuebergang: China - Laos

Nach zwei Monaten China geht es heute in das naechste Land und hinein nach Suedostasien
 
Frueh bei Sonnenaufgang ausgecheckt und mit dem Taxi fuer 0,5 Eurocent zum Busterminal, muss ich dort noch eine Stunde warten, bis ein Kleinbus nach Mengla aufbricht. Wahrscheinlich weil der Fahrer seinen Wagen nicht voll bekommt, muessen wir nach einer Weile das Fahrzeug wechseln. Im Bus sitze ich neben dem Kanadier Chris. Er hat die letzten sieben Monate in Guangzhou unweit von Hongkong unterrichtet und studiert suedostasiatische Politik und ist somit ein interessanter Weggefaehrte.

Philosophische Gedanken zum modernen Menschen unter besonderer Beruecksichtigung des beobachteten Kotzverhalten der Landbevoelkerung
Die Strecke geht durch die vegetationsreichen Berge und ist somit eine Aneinanderreihung von Kurven, aber landschaftlich sehr reizvoll – sieht man einmal von dem Miell entlang der Strasse ab. Drei unserer Passagiere geniessen die Fahrt jedoch weniger. Sie machen reichlich Gebrauch von den zur Verfuegung gestellten Plastiktueten und entsorgen sie anschliessend durch das Busfenster. Es laesst sich somit erraten, was der Inhalt eines Grossteils der in den Planzen und Baeumen des Wegesrandes haengenden orangen Tueten beinhaltet – alles rein organische Stoffe. Eine der Uebeltaeterinnen geht sogar noch umweltfreundlicher vor und entsorgt ihren Mageninhalt in freier Fahrt verpackungsfrei direkt durch das Busfenster, was sicherlich formreiche Streifmuster an der Aussenseite des Busses hinterlaesst und als Aussenwerbung fuer die Fahrkunst des Fahrer gewertet werden kann. Diese wiederholte Beobachtung von sich uebergebender Landbevoelkerung auf Bussen, regt philosophische Ueberlegungen zum Wesen des modernen Menschen an. Der moderne Staedter ist sicher weniger resistent und schwaechlicher in mancherlei Hinsicht als unsere naturverbundeneren Vorfahren oder Zeitgenossen auf dem Land, aber Bewegung ist scheinbar doch etwas, was unsere ansonsten verweichlichten Koerper besser vertragen koennen. Aber unser Rallybusfahrer hilft den armen Seelen auch nicht gerade mit einer einfuehlsamen Fahrweise. 

Mengla
Gegen Mittag erreichen wir das 162 km entfernte Mengla. Eine Handvoll Schlepper und Geldwechsler stuerzen sich sogleich auf uns, so dass wir uns zunaechst in ein kleines Strassenrestaurant zuruechziehen um sie loszuwerden. Nach dem Essen (1 Euro) muessen wir mit einem Minivan (1,5 Euro) noch 1 ˝ Stunden fahren, bevor wir die Grenze erreichen.

Chinesisch-laotische Grenzstation
Die Grenzformalitaeten sind schnell erledigt. Wir sind auch die einzigen, die ueber die Grenze wollen. Beim Tauschen der letzten Yuan in laotische kip gilt es aufzupassen denn die change ladies geben nur Teile des gewechselten Geldes heraus. Ich muss 3 x nachfordern bis der Betrag stimmt. Wir beginnen durch das Niemandsland zu laufen bis uns ein laotischer Pick-up fuer 3 Yuan (0,3 Euro) bis zur laotischen Grenzstation mitnimmt. Der Grenzuebergang ist wieder unkompliziert. Die beiden Beamten sitzen im Trainingsanzug in einer kleinen Holzhuette und fertigen unsere Paesse schnell ab. Seit ˝ Jahr kann man Visa fuer 30$ auch direkt an der Grenze bekommen. Wir laufen die dirtroad entlang. Einige Haeuser ziehen sich an der Strasse entlang bevor sie sich im Gruen der Huegel verliert. Eine Weile sitzen wir vor einem kleinen Restaurant am Wegesrand. Kein Auto passiert. Der Bus fuer den Tag ist bereits am Morgen abgefahren. Wir versuchen die Aufmerksamkeit der Bedienung auf uns zu ziehen um eines das beruehmte Lao Bier zu probieren, aber unsere Versuche scheitern, da sie zu beschaeftigt ist den Text von einem Karaokelied vom Bildschirm abzuschreiben.

Elefantentrio im Gegenverkehr
Eine knappe halbe Stunde verstreicht, dann haelt ein Tuk Tuk. Es ist mit einigen Kisten beladen. Bis nach Luang Nam Tha fahren sie nicht, aber fuer 0,8 Euro pro Person nimmt er uns bis zum Abzweig mit wo sich eine dirtroad nach Luang Nam Tha, die andere Richtung nach Vientiane fuehrt. Die Wahrscheinlichkeit hier noch heute ein Transportmittel zu finden ist groesser. Die ersten „Fahrzeuge“ die uns auf der Strasse entgegenkommen sind drei ausgewachsene Elefanten mit drei Jungtieren. Ein schneller Schnappschuss aus dem fahrenden und wackelnden Wagen war alles was ich von diesem Moment festhalten konnte. Der laotische Fahrer bretterte einfach weiter. Sicherlich war dieses Ereignis fuer ihn nichts besonderes. 

Laotisches Dorf
Ein 600 Seelendorf liegt an dieser Weggabelung. Vier Jungen spielen mit einem Korbgefelchtball eine Art Antivolleyball. Die Spielregeln scheinen die Gleichen zu sein – bis zu drei Kontakten und ueber das Netz – allerdings duerfen die Haende und Arme den Ball nicht beruehren. Kopf, Beine, Schulter – alles erlaubt. Es sieht richtig professionell aus. Wir kommen auch mit einem Laoten ins Gespraech der recht gut English spricht. So erfahren wir einiges ueber den Ort und die Menschen die hier und in der Umgebung wohnen. Die Sonne hat sich bereits rot gefaerbt und beginnt immer schneller zu sinken. Es scheint, als muessten wir wohl die Nacht hier verbringen. 

Der Trittbrettritt
Jedoch kommt doch noch ein voll belandener Pick-up vorbei und erklaert sich bereit uns fuer 1,2 Euro bis nach Luang Nam Tha mitzunehmen. Allerdings ist nur noch Platz auf dem hinten angeschweissten Trittbrett. Wir werfen unsere Rucksaecke schnell auf den Dachgepaecktraeger und klammern uns an die Stangen.Da braust der Fahrer auch schon los, da er eine Verabredung einhalten muss und bereits spaet dran ist. Den Wind durch die Haare flattern lassend, der Natur direkt ausgesetzt, laesst sich der Vegetationsreichtum und die fast unbewohnten Waelder der Huegellandschaft umso mehr geniessen. Man fuehlt sich unbeschwert und frei. Frei ist allerdings auch gelegentlich der Bodenkontakt, wenn unserer Fahrer einem Schlagloch nicht mehr ausweichen kann und wir hinten unerwartet Luftspruenge von bis zu 30 cm machen – jedesmal hoffend auch wieder auf dem Stehrost zu landen von dem wir abgehoben haben. Es wird immer dunkler um uns und die schwarzen Umrisse der Baeume und Waelder bilden bizarre Formen. Der Lichtkegel unseres Pick-ups durchschneidet die Dunkelheit und findet den kurvigen Pfad. Die Temperatur sinkt. Die um sich um die Eisenstangen krallenden Finger werden mit der Zeit kalt und taub. So sind wir bei aller Freiheitsliebe doch froh nach 1 ˝ Stunden in Luang Nam Tha angekommen zu sein. Das Zimmer fuer 1,6 Euro. Abendessen fuer 3 Euro in einem indischen Restaurant. Das war dann auch genug Programm fuer den Tag. , 

Entfernung von Mengla nach Luang Nam Tha auf knapp 100 km geschaetzt