>>10.09.2010 11:57:44 :3366. Tag seit Projektbeginn :: 58843 km seit 23.7.2002
1167.-1171. Tag | 02.09.2004-06.09.2004
Turkmenistan
kann man nur als Polizeistaat bezeichnen und sein Praesident hat definitiv eine Schraube locker. Aber die fuenf Tage im Land waren sehr interessant.

Tagebuch
1167-Vom Iran nach Turkmenistan  
1168-Ashgabat 1. Tag – Monumente der Gigomanie  
1169-Fahrt nach Mary – Polizeistaat  
1170-Merv – Jinghiz Khans Schlaechtersohn  
1171-Von Turkmenistan nach Uzbekistan  

Transport:
Taxi: 120km

1167 .Tag | 02.09.2004 | Etappe: Quchan-Ashgabat
Vom Iran nach Turkmenistan

Ein teurer und abzockereicher Tag der aber doch aussergewoehnlich interessant war
 
Warten in der Wuestennacht
Bereits kurz nach fuenf erreichen wir Quchan, eine Stunde frueher als ich gedacht hatte. Es ist noch dunkel und so verbringe ich die Zeit bis zum Anbruch des Tages in einem kleinen Laden am Busstop. Viele Iranis und – wie ich annehme – andere Nationalitaeten der Region nutzen den davor liegenden Parkplaty als Schlafstaette. Zelte stehen neben den Autos, verschlafene Kinderaugen liken gelegentlich unter den dicken Decken hervor die auf dem Boden ausgebreitet sind und vor der Kaelte der Wuestennacht schuetzen sollen. Ich halte mich mit einigen Glaesern Tee und heisser Milch bei Laune und breche bei Anbruch des Tages auf. Zunaechst will ich am einzigen im lonely planet aufgefuehrten Hotel vorbei in der Hoffnung dort andere Reisende zu treffen. Vor allem Grenzuebertritte koennen zu zweit oder dritt einfacher und kostenguenstiger sein. Das Hotel hat jedoch noch geschlossen und so mache ich mich allein auf den Weg.

Fahrt zur Grenze
Am Kreisverkehr warten Taxifahrer auf Kundschaft zur Grenze. Eine Stunde muss ich warten bis sich noch zwei Mitreisende eingefunden haben damit es losgehen kann. Dann gibt der Fahrer aber auch alles was sein Paykan hergibt. Ueber gaenzlich leere Strassen und durch karge, fruchtlose Landschaft duesen wir in Richtung Norden. Ein langer Gebirgszug trennt die beiden Laender Iran und Turkmenistan. Dort befinden sich auch die Grenzstationen. Ich tausche die letzten iranischen Lira in turkmenische Manat ein. Das Verhaeltnis betraegt 1 : 2,5. Nur wenige Menschen passieren hier die Grenze. Die Zahl von westlichen Touristen ist von 50 – 100 auf weniger als ein Dutzend am Tag gefallen. Nun geht es ins Grenz- und somit Abzoggebiet. Fuer die letzten zwei Kilometer bis zur iranischen Hauptgrenzstation verlangt der Fahrer zusaetzlich noch einmal 50% des Fahrpreises der bisherigen 85 km langen Strecke. Der iranische Grenzuebertritt ist problemlos und schnell erledigt. Stempel in den Pass und keine Gepaeckkontrolle.

Turkmenische Grenze und Abzocke
Dann kommt man auf turkmenische Territorium. Ein Minivan nutzt seine Monopolstellung um fuer die 2-3 km bis zur Hauptgrenzposten 2 Euro pro Passagier zu verlangen. Der lonely planet warnt vor langen Wartezeiten an der turkmenischen Grenze aufgrund beharrlichen Bakschischerwartungen. Jedoch bin ich binnen weniger Minuten durch die Grenzkontrolle. Allerdings auch um 10$ aermer, die in einem als Bank deklarierten Nebenraum fuer den Grenzstempel zu entrichten sind. Wie ich spaeter erfahre ist diese Gebuehr nicht offiziell. Es stellt lediglich eine Automatisierung und Vereinfachung des Schmiergeldsystems dar. Unter Zeitbetrachtung jedoch eine deutliche Effizienzsteigerung.

Weiteres Wertabschoepfungssystem
Allerdings haben sich die Grenzmenschen noch ein weiteres Wertabschoepfungssystem aufgebaut. Einmal durch den Grenzposten steht man im wahrsten Sinne des Wortes in der Wueste und die scheinbar als Mafiakollektiv organisierten Taxifahrer verlangen 300.000 Manat (12 $) pro Person fuer knapp 20 km bis zu einer weiteren Grenzstation, die jedoch lediglich dazu dient die Wegstrecke nach Ashgabat zu stueckeln, so dass Reisende erneut fuer das naechste – voellig ueberteuerte – Transportmittel zur Kasse gebeten werden. Ein Azari ist in der Lage fuer seine 9er Gruppe den Preis auf 10$ pro Person herunterzuladen. Fuer die kurze Fahrt kassiert der Fahrer somit was viele Turkmenen nicht einmal in zwei Monaten verdienen. Nach wiederholten Versuchen und einem Gespraech mit dem Hauptzoellner, der ein wenig Englisch spricht, gelingt es den Preis auf 4$ zu druecken. An der naechsten Grenzstation dann das gleiche Dilemma. Ein wahrlicher Huene – so wie man sich einen gewichtigen KGB Menschen vorstellt – kommt auf mich zu und verlangt mit dem breitesten Grinsen 10$ fuer die letzten wenigen Km. Wie schon vorher, zahlen sich die rudimentaeren Tuerkischkenntnisse aus. Der Huene ist begeistert auf einen Deutschen zu treffen der Tuerkisch spricht. So komme ich am Ende mit 100.000 Manat, ca. 4$ - immer noch voellig ueberteuert – davon. Die drei Iraner, die er ebenfalls ins Taxi packt, kommen weniger guenstig dabei weg. Bereits nach einem km winkt der Huene ein anderes vorbeifahrendes Taxi heran, bezahlt den Fahrer und steckt die drei Iraner hinein. Mich nimmt er einen weiteren km mit, bis er das naechste Taxi findet. Ich sehe, dass er dem Fahrer 20.000 Manat in die Hand drueckt um mich in die Stadt zu bringen. Also organisierte Abzocke an der turkmenischen Grenze. Reisende ohne Vorwissen und Verhandlungsgeschick oder –ausdauer sollten also hier mit ca. 32$ Extrakosten rechnen.

Was vor wenigen Jahren noch war ist nicht mehr
Im lonely planet ist die Rede von einer interessanten und kostenguenstigen Uebernachtungsmoeglichkeit: im Schlafsaal einer psychatrischen Anstalt. Eine recht ausgefallene Schlafstaette. Jedoch findet der Taxifahrer das Institut nicht. So lasse ich mich zunaechst zum dt.-frz.-US.-amerikanischen Kulturzentrum fahren. Dieses existiert jedoch nicht mehr, da das Gebaeude einem der vielen Bauprojekte der Hauptstadt weichen musste. Ich gehe den lonely planet durch. Das 1. Hotel kostet nun 35$ statt der angefuehrten 10$, das 2. Hotel ist abgerissen worden und durch ein Luxushotel ersetzt worden – also auch Fehlanzeige. Ich frage an der US.-amerikanischen Botschaft nach Rat und sie erkundigen sich fuer mich. So bekomme ich die Adresse vom frz. Kulturzentrum und dem daneben liegenden Peace Corps. Dort mache ich die Bekanntschaft mit Muhammed und Alfina, die mir weiterhelfen und mich gleich fuer den Abend zu einer Geburtstagsfeier im Zentrum einladen. Nebenan beim Peace Corps lernen ich Marc kennen. Durch seine Hilfe besorgen sie mir ein Hotel fuer 18$ die Nacht, wohl das guenstigste was fuer einen Auslaender offiziell in Ashgabat zu bekommen ist. Einheimische, bzw. expats bezahlen selbstverstaendlich nur einen Bruchteil davon. Im Hotel schlummer ich zunaechst weg nach der anstrengenden Fahrt der letzten beiden Tage.

Nachtleben in Ashgabat
Um 19:00 fahre ich dann ins franzoesische Kulturzentrum. Einer der Kursteilnehmer des Franzoesischkurses des Instituts feiert seinen Geburtstag mit anderen Teilnehmern. Somit treffe ich am ersten Abend witzigerweise auf einen Haufen franzoesischsprachiger Turkmenen und Russen – wie meist bei franzoesischen Sprachstudien ueberwiegend Frauen. Bei der Nachfrage nach einem Fahrer fuer eine Stadtrundfahrt organisiert mir Alfina ein Auto und bietet an mir am naechsten Tag die Stadt zu zeigen. Spaeter treffen wir uns noch mit Marc und anderen Peace Corps Freiwilligen im zip club und ziehen von dort nach der Sperrstunde fuer einige Stunden zu einem anderen Lokal. Auf dem Weg zum Hotel gibt es dann Probleme mit der Polizei: Sperrstunde und Verbot fuer Auslaender nach 23:00 am Praesidentenpalast vorbeizugehen kostet am Ende eine gute Stunde Schlaf und 10 Dollar sowie einige Manat um schliesslich vom Haken gelassen zu werden und die Nacht nicht auf der Polizeistation zu verbringen. Wer weiss, was es letztendlich gekostet haette wenn man erst auf dem Revier ist.