Den naechsten Tag nutze ich zum Einen fuer Dinge die zu erledigen waren: Waesche waschen, Hose flicken, Schuhe und Fahrradersatzteile kaufen und v.a. die letzten Berichte schreiben und sie zusammen mit den Fotos von einem Internetcafe aus zu verschicken. Dies nimmt immer viel Zeit und leider auch viel Geld in Anspruch. Ansonsten nehme ich mir die nächsten Tage viel Zeit die Stadt zu besichtigen.
Valencia liegt in der gleichnamigen Provinz, einer der drei katalanischen autonomen Regionen Spaniens, und ist somit zweisprachig: kastillisch und katalanisch. Die Umgebung und die Vororte dieser 800.000 Einwohner grossen Stadt sind - wie oftmals in Spanien und anderen Staedten der Welt - recht unattraktiv. Aber sie besitzt einen schoenen historischen Stadtkern mit vielen interessanten Gebaeuden und Plaetzen aus der ereignisreichen 2000-jaehrigen Geschichte. Da gibt es u.a. die alten Stadttore de Serrano (XIV. Jahrhundert) und de Quart (XV. Jahrhundert), die gotische Boerse aus dem gleichen Jahrhundert und die vielen Kirchen, Museums- und Regierungsgebaeude aus verschiedenen Epochen. Selbst einige der neuen Gebaeude sind sehr anschaulich. (Vieles was in Spanien juenger als 30 Jahren ist, kann man oft vergessen - bis auf die Frauen). Vor allem entlang des, bzw. im ausgetrockneten Flusslauf gibt es zwischen herrlichen Parks, die sogar von richtigen Fahrradwegen durchzogen sind, architektonisch interessante Gebaeude wie den Palau de la Música, den Palacio de las Artes, den Hemisferio und das Museo de las Ciencias.
Bunt und interessant ist auch das taegliche Treiben auf dem Mercado Central. Diese Markthalle vom Anfang dieses Jahrhunderts ueberspannt 8.000 m² und gehoert zu den groessten Europas. Auch das Nachtleben ist bunt, laut und bewegt. In Spanien gibt es mehr Kneipen pro Einwohner als in jedem anderen Land Europas. Um sich von anderen Lokalen zu unterscheiden lassen sich daher die Besitzer bei der Gestaltung so einiges einfallen. Deshalb sind wohl die schoensten und eigentuemlichsten Kneipen in Spanien zu finden. So gibt es auch in Valencia interessante Lokale. Aber das Nachtleben spielt sich nicht nur in den Kneipen ab, sondern vielmehr auf dem Weg von einer zur anderen, so dass in einigen Vierteln nachts die Strassen voller sind als tagsueber. Das ist die spanische "marcha". Die Leute treiben sich in drei verschiedenen Pulkformationen herum: 1/3 sind reine Maennerpulks, 1/3 reine Frauenpulks und 1/3 der "Wandergruppen" sind gemischt.
Den ersten Abend bekomme ich durch eine Marrokanerin die ich kennen lerne Anschluss an einen gemischten "Giri"(Auslaender)-pulk und so ziehe ich mit und lerne dort u.a. Stefan aus Koeln und Assma aus Marroko ein wenig kennen. Am Montag und Dienstag treffe ich mich auch mit Natalie, der Freundin eines Freundes, der mir ihre Adresse vor wenigen Tagen ueber´s Internet hat zukommenlassen. Natalie ist alte Muensteranerin und arbeitet seit 2 Monaten am Museum fuer moderne Kunst (IVAM Insituto Valenciano de Arte Moderno), wo sie Ausstellungen vorbereitet. Heute ist Mittwoch und bevor es spaeter in die Berge geht, will ich diesen Bericht und die Fotos noch abschicken. Jetzt geht es wahrscheinlich erst einmal in Richtung Suedwest: Córdoba, Granada, Sevilla, Gibraltar, Cádiz sind moegliche Zwischenziele.
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