Evrim und ich hatten uns kurzerhand entschlossen mit seinem alten Käfer an die Westküste der Türkei zu fahren. Um 9:00 geht es auf die Autobahn. Wir nehmen die zweite und neuerere der beiden Brücken die über den Bosporus führt und kommen so auf die europäische Seite des Landes. Es dauert jedoch mehr als eine Stunde bis wir die abertausenden von Häuserblocks der Stadt hinter uns lassen. Interessanterweise gibt es jeden Häuserblock meist in zweifacher Ausführung. Es sieht aus wie ein Haufen Zwillingstürme überall. Die Autobahn bis Silivri und dann über die D110 weiter bis wir bei Balli auf die D555 kommen. Diese Strecke ist kaum befahren und führt durch schöne Landschaften.
Allerdings macht der Wagen irgendwelche komischen Geräusche. Wir steuern also eine Werkstatt an. Wie in der Türkei üblich liegen alle Werkstätten nebeneinander, mehrere Dutzend selbst in dieser relativ kleinen Stadt. In der Türkei scheinen sich die einzelnen Firmen einer Branche nicht in erster Linie als Konkurrenten zu sehen, sondern man arbeitet zusammen. Fast zwei Stunden dauert die Aktion: Fehlende Teile bei verschiedenen Werkstätten zusammensuchen, einbauen, schweißen. Gesamtkostenpunkt 8 Euro.
Dann setzen wir in Lapseki mit der Fähre über die Dardanellen und erreichen so wieder den asiatischen Teil der Türkei. Auf der E 90 in Richtung Süden merken wir, wie diesmal die Lenkung immer mehr Spiel bekommt. Also wieder eine Werkstatt gesucht. Gerade als wir in eine der Garagen einfahren wollen, hat Evrim plötzlich das Lenkrad in der Hand. Es hätte uns auch unterwegs beim Fahren passieren können. Hätte sicher eine ulkige, aber recht gefährliche Situation ergeben. Aber Glück gehabt! Jetzt heißt es wieder Schnitzeljagd nach den notwendigen Ersatzteilen und einbauen. Die gesamte Aktion dauert diesmal gute drei Stunden, somit ist es dann leider dunkel als wir an Troja vorbeifahren.
Wir müssen heute noch Assos erreichen, denn ich will dort noch den Radler Claus treffen. Er spricht sehr gut türkisch und kommt jedes Jahr aus Deutschland in die Türkei zum Radeln. Auch möchte er hier mal einen Radreisetourismus aufbauen. Wir verbringen den Abend an der Küste und schlafen neben dem Wagen.
|