In Cadiz hoffe ich schnell ein Schiff auf die Kanaren zu finden, den bis zum Regattabegin ueber den Atlantik ist nicht mehr viel Zeit. In der Jugendherberge Quo Vadis, gleich um die Ecke des Theaters Falla, gibt es fuer 1000 ptas ein Bett mit Fruehstueck - ein guter Deal und die Stimmung ist super dort. Beim Einchecken treffe ich Lars aus Itzehoe und wir machen zusammen den ersten Entdeckungsrundgang durch die Stadt und klappern auch die Haefen ab - jedoch ohne Erfolg.
Cádiz welches am Ende einer langen Landzunge der Costa de Luz in den Atlantik hervorsteht, ruehmt sich damit die aelteste Stadt Europas zu sein. Die Phoenizier gruendeten hier im 11. Jahrhundert v. Chr. Eine Stadt die zum wichtigsten Umschlagplatz fuer den atlantischen-mediterranen Handel wurde. Ruehmen tut sich Cádiz auch fuer seinen 10 Tage andauernden Karneval. Die Bluetezeit Cádiz lag jedoch im XVIII. Jahrhundert. Schon Kolumbus startete seie 2. und 4. Reise von hier und die Versandung des Hafens von Sevilla brachte zunaechst das Handelsmonopol mit der Neuen Welt in diese Stadt, so dass sie zur reichten und progessivsten Stadt Spaniens im XVIII. Jahrhundert aufstieg. Nach der Seeschlacht von Trafalgar vor den Toren der Stadt 1805 und einer 2-jaehrigen erfolglosen Belagerung durch die napoleonischen Streitkraefte von 1808 und 1810 traf sich 1812 die erste spanische konstitutuionsgebende Versammlung. Der Verlust der spanischen Kolonie bedeutete auch den Niedergang der Stadt. Als Wirtschaftsstandort der Schiffsbau- und Fischereiindustrie leidet die Stadt heute mit Raten von bis zu 40% unter der hoechsten Arbeitslosigkeit des Landes.
In der Jugendherberge ist gut was los. Die Gruppe des ersten Abends auf den Herbergsdach besteht aus zwei US-Amerikaniern, Lars aus D-Land, Rene aus Oesterreich und Julie aus Quebeck. In den naechsten Tagen stossen u.a. noch Luke aus Australien, Yvonne aus den Niederlanden und Kristiina aus Estland hinzu. Neben Versuchen doch noch ein Boot zu finden, besuchen wir u.a. den Torre Tavira, einen alten Beobachtungsturm, von dem aus man mit Hilfe eines Dunkelkammerprojektors auf einzelne Bereiche des Stadtlebens einzoomen kann. An einem Abend sehen wir ein phantastisches Flamencokonzert im alten Theater Falla, an einem anderen kochen wir bei stroemenden Regen unter einem Dach der Terrasse Nudeln und Gluehwein und verpassen natuerlich nicht den traditionellen Rummel wie er in Spanien in jeder Samstagnacht auf irgendwelchen zentralen Plaetzen stattfindet. Wir haben trotz des kalten Wetters eine gute Zeit, der Hauptgrund meines Aufenthalts - ein Boot auf die Kanaren zu finden - bleibt jedoch erfolglos. Mit der Faehre fahre ich auch nach Santa Maria rueber um dort die Yachthaefen abzukappern. In Puerto Jerez schaue ich auch bei Emilio Redolosis, dem lokalen Representanten des Hochseeseglervereins Trans-Ocean, dessen Mitglied ich seit einem halben Jahr bin, vorbei. Von ihm bekomme ich einige Tipps, aber ein Boot welches in Kuerze in Richtung Sueden auslaeuft, kennt er auch nicht.
Ein Segelboot braucht fuer die Strecke von Suedspanien bis zu den Kanaren ca. 6 Tage, meist laenger, so dass es mittlerweile auch keinen Sinn mehr macht sich in einem anderen Hafen umzuschauen. Von Marroko zu den Inseln gibt es keine Faehrverbindung und die einzige Fahrverbindung Spanien aus kostet 60.000 ptas. Mit jedem Tag schwindet die Chance noch ein Motorboot zu finden welches noch rechtzeitig zur Regatta auf Gran Canaria eintrifft. Was tun? Die Regatta sausen lassen und somit auch die beste Moeglichkeit mit einem Segelboot ueber den Atlantik zu kommen. Viel Rumfragen und lange Zeit hatte es ja gekostet endlich ein Boot in Portugal zu finden. Außerdem hatte ich mein Wort gegeben und es wäre die Frage gewesen ob der Skipper so kurzfristig noch neue Crew gefunden hätte. Also auf die Kanaren musste ich irgendwie kommen. Blieben zwei Möglichkeiten: a) sich finanziell ruinieren und fuer ueber 700 ,- DM mit monopolisitschen Halbabschneidern der Transmediterranea über See fahren; b) fuer 120,- DM von Sevilla aus fliegen. Aber das wuerde natuerlich gegen den Vorsatz "Ohne Flugzeug" verstossen. Ich bin 2 Tage hin- und hergerissen.
|