Abfahrt 8:30. Über Nacht hat es sich ausgeregnet. Der Himmel ist immer noch wolkenverhangen, aber nur gelegentlich nieselt es. Allerdings hat der Regen der letzten Tage die Lufttemperatur recht gedrückt und im Trikot ist es ein wenig kalt. Bevor es weiter geht noch ein kurzer Abstecher zum Schloss Schoenbrunn, der Sommerresidenz der oesterreichischen Regenten. Allerdings darf man die Parkanlagen mit dem Fahrrad nicht betreten. Nun heisst es zunaechst einmal raus aus der Stadt Richtung Bratislava - oder Pressburg wie es auf dem Donauradweg ausgeschildert ist. Dieser endet jedoch immer wieder im Hochwasser, aus welchem z.T. die Spitzen von 2 Meter hohem Mais aus der Ferne wie Seerosen anmuten. Daher bleibe ich die meiste Zeit auf der B 9. Nach Hainburg der unproblematische Grenzsprung in die Slowakei. Plattenbauten erinnern wie Denkmaeler an die Zeit des real existierenden Sozialismus, aber die Innenstadt hat gut restaurierte historische Bausubstanz und ist sehenswert. Jedoch halte ich mich nicht zu lange in der slowakischen Hauptstadt auf, da ich heute Strecke machen moechte, will unter der Wolkendecke wegschluepfen. Zuegig ghet es ueber die B 2 und Rusovce zur menschenleeren slowakisch-ungarischen Grenze.
Das Land in Nordungarn ist flach wie ein Pfannekuchen, riesige Felder, aber man sieht nur wenige, meist zusammenstehende Haeuser. Obwohl nur Landstrasse, sind Abschnitte auf der B 15 fuer Radfahrer gesperrt. So weiche ich wo es geht auf Schotter- und Erdwege oder Seitenstrassen aus. Im Grenzstaedtchen Mosom Kagyaróvár erkennt man an den Schildern schnell, dass dieses sich sehr auf deutschsprachige Besucher eingestellt hat. an zwei voellig ueberrepraesentierten Branchen laesst sich rueckschliessen was wohl in Oesterreich und Deutschland ueberteuert sein muss: Hier wimmelt es nur so von Zahnarztpraxen, -kliniken und Optikerlaeden. Beim Geldtausch erhalte ich fuer einen Dollar 243 Forint und kaufe mir eine Telefonkarte und Strassenkarte des Landes. Die vorgenommene Tagesstrecke von 100 km ist bereits abgeradelt, aber es flutscht so gut heute, dass ich noch weiterfahre. Mal ueber die B 10 mal ueber Seitenstrassen an der Mosoni Duna geht es vorbei an kleinen Siedlungen und Ortschaften nach Gyoer, welches ich bei Einbruch der Dunkelheit erreiche.
Unterwegs an einer Telefonzelle rufe ich Gyula an. Mit ihm bin ich letztes Jahr zusammen ueber den Atlantik gesegelt und er hatt emir seine Telefonnummer gegeben fuer den Fall, dass ich nach Ungarn komme.Gyula wohnt in Balatonkenese am Ostrand des Balatonsees und laedt mich ein vorbeizuschauen. Der urspruengliche Plan war es den Donauradweg nach Budapest zu radeln. Da jedoch anzunehmen ist, dass dieser aufgrund des Hochwassers streckenweise nicht befahrbar ist und Mitradler, auf die man haette Ruecksicht nehmen muessen, nicht mehr vorhanden sind, kann ich meinen Plan schnell aendern und schlage in Gyoer eine suedliche Richtung ein. Auf der B 82 fahre ich noch ein Stueck, bis dass ich mich rechts einfach in die Buesche schlage und im Dunkeln das Zelt aufbaue. Nach 3 Tagen Zwangspause in Wien lief es heute so gut, dass ich auch nach ueber 8 Stunden Fahrtzeit noch auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von ueber 20 km/h km. 177 km zeigt der Tagestourenzaehler. Meine bisherige Bestmarke.
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